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Stressbewältigung und Achtsamkeit in Unternehmen

Wir räumen auf mit Klischees und Vorurteilen

Es ist so eine Sache mit Begriffen, die irgendwann inflationär werden: Wir denken, wir wissen genau, wovon die Rede ist, schließlich lesen wir ja dauernd darüber oder hören davon. Das gilt ganz bestimmt auch für die Begriffe „Achtsamkeit“ und „Meditation“. Weshalb wir an dieser Stelle das aufgreifen, womit wir immer mal wieder konfrontiert werden: Meinungen, (Vor-)Urteile, Klischees. Und wir geben uns ausdrücklich nicht die Mühe, nur diplomatisch zu antworten …

Den ganzen Tag auf Kissen sitzen und meditieren, was soll das bringen ...?

Weil viele es direkt vor Augen haben, das Bild der Managerin im grauen Anzug, meditierend auf dem Kissen (oder ähnlichem), finden Sie es hier auch noch einmal … Jawohl, Achtsamkeit und Meditation sind in der Geschäftswelt angekommen. Die Mitarbeiter bei Google praktizieren Achtsamkeit (und schreiben drüber), das Management von Banken sitzt auf dem Kissen (und schweigt eher darüber), Unternehmen quer durch die Branchen beginnen sich damit anzufreunden, dass Innehalten eine wertvolle Qualität ist – und ein wichtiges Gegengewicht zur Umtriebigkeit des Arbeitsalltags. Sie könnten also diejenigen, die es schon tun, fragen, was es ihnen bringt.


Übrigens: 20 Minuten statt eines ganzen Tages sind ein guter Anfang.

Und der Stuhl tut’s auch.

Hauptsache, es wirkt – und das schnell!

Hm, dazu fällt uns dreierlei ein. Erstens: Wenn Sie diesen Satz von sich kennen, dann könnte es an der Zeit sein, die eigene Einstellung zu prüfen. Eine starke Orientierung an sofort messbaren Ergebnissen und Lösungen kann ein Stressfaktor sein. Für Sie selbst, für Ihr Team, für Ihre Mitarbeiter.

Zweitens: Studien zeigen, dass fünf Minuten am Tag, in denen Sie bewusst innehalten, mehr Gelassenheit in Ihren Alltag bringen. Wenn Sie denn kontinuierlich und aufrichtig praktizieren. Ist das schnell?

Drittens: Probieren Sie es aus. Jetzt! Keine Ausrede. Nehmen Sie sich eine Minute Zeit.
Sie sitzen aufrecht, die Schultern sind entspannt, das Kinn ist ein wenig nach unten geneigt. Beide Füße haben Kontakt mit dem Boden. Schließen Sie die Augen. Atmen Sie tief ein und aus. Ihre gesamte Aufmerksamkeit ist auf Ihren Atem gerichtet. Er ist in diesem Moment das einzig Wichtige. Sie können die Atemzüge im Geist zählen, von eins bis zehn, dann wieder mit eins beginnen. In dieser einen Minute tun Sie nichts, Sie betrachten nur Ihren Atem – und nehmen wahr, was Sie davon vielleicht ablenkt. Sie gönnen sich Nichts-Tun. Schauen Sie selbst, wie es wirkt.

Meditieren? Das ist doch bitte schön Privatsache – und hat nichts im Unternehmen zu suchen.

Die Trennung des Menschen in einen arbeitenden und einen privaten kommt Ihnen bekannt vor? Dann wissen Sie auch, dass sie von vorgestern ist. Durch Belastungen im Arbeitsalltag entstehen viele Erkrankungen (und krank ist dann der ganze Mensch, nicht nur die arbeitende Hälfte). Eine Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin aus dem Jahr 2013 zeigt, dass der deutschen Wirtschaft rund 80 Milliarden Euro an Wertschöpfung durch Krankheitszeiten der Arbeitnehmer entgehen.


Und es gibt mittlerweile zahlreiche Belege dafür, dass Unternehmen, die Methoden der Achtsamkeit in ihr betriebliches Gesundheitsmanagement integrieren, einen finanziell belegbaren Mehrwert schaffen. Sie senken Kosten für Krankheitsleistungen, sie steigern ihre Wettbewerbsfähigkeit, sie gestalten den demographischen Wandel aktiv – um einige der ganz großen Themen nur zu skizzieren. 

… dafür ist kein Platz in unseren Arbeitsabläufen.

Ja, da prallen auf den ersten Blick Welten aufeinander: hier der betriebliche Ablauf, mit Stress und Hektik, hohem Tempo, zielgerichtet, ergebnis-und erfolgsorientiert. Dort die Meditation, die den Übenden anleitet, innezuhalten, den Autopiloten abzuschalten und nichts erreichen oder verändern zu wollen. Da braucht es zu Beginn eben auch den Mut zu sagen: Ich will’s trotzdem ausprobieren. Weil Achtsamkeit unter anderem die Chance birgt, mit der Komplexität betrieblicher Erfordernisse intelligenter umzugehen. Und seit wann sind Arbeitsabläufe in Stein gemeißelt …?

Meditation, das ist doch das, wo man eigentlich nichts tut?

Sie benötigen kein Gerät, keine Hilfsmittel. Einfach aufrecht hinsetzen, die Augen schließen und: nichts tun! Klingt das für Sie wie eine Provokation? Wo Sie sonst genau das Gegenteil, nämlich: alles tun.
Dass das aber nur eine begrenzte Zeit effizient ist und Multi-Tasking eine Lüge, haben Studien nachgewiesen. Meditation kann Sie dabei unterstützen, sich zu fokussieren, abzuschalten, durchzuatmen und den Kopf wieder freizubekommen. Meditation ist ein Paradoxon: nach außen hin nichts tun, absichtslos sein. Und damit doch ganz essenzielle Kompetenzen fördern.

Messen kann man Achtsamkeit ja leider nicht …

Knapp daneben! Seit fast 60 Jahren gibt es Forschungen zur Wirkung der Meditation, von Wissenschaftlern aus Medizin, Neurowissenschaften und Psychologie. Allein das MBSR-Programm (Mindfulness Based Stress Reduction), Stressbewältigung durch Achtsamkeit, wird zurzeit mit 40 Studien jährlich begleitet. An dieser Stelle nur einige der Ergebnisse: Menschen, die Achtsamkeit üben, verbessern ihre Stressresistenz und stabilisieren ihr Immunsystem. Ihr Gedächtnis wird leistungsfähiger; sie bauen Selbstwirksamkeit, Konfliktmanagement, Kreativität und Handlungskompetenzen aus.

Mehr zur Forschung, mehr zum MBSR-Programm.

… das ist was für Menschen, die nach innen abtauchen wollen. Es fördert den Egoismus …

Den Einwand, der meditierende Mensch werde ein Egoist und verliere den Bezug zu seiner Umwelt, hören wir immer wieder mal. Schade, dass wir darüber nicht mehr mit Ghandi diskutieren können – und höchstwahrscheinlich auch nicht mit dem Dalai Lama.

Das Bedürfnis abzutauchen entsteht unter anderem dann, wenn zu viel auf uns einwirkt: Projekte, Meetings, E-Mails, Kollegen, Kunden, hohes Tempo, Termine – und der Eindruck, dass die Zeit für die “eigentliche Arbeit“ überhaupt nicht ausreicht. Meditation verbessert die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und -reflexion. Und führt beispielsweise zu einem konstruktiven Umgang mit den eigenen Stressmustern und Stresssituationen sowie zu einer Verbesserung der Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit. Anders formuliert: mich selbst zu kennen ist die Voraussetzung für den Zugang zum Anderen.  

Meditation? Dazu haben wir wirklich keine Zeit!

Eine gute Führungskraft wird bei diesem Satz hellhörig. Und hält inne. Wenn Sie im Unternehmen nicht mehr die Zeit haben, über neue Wege nachzudenken – wie ist es dann generell mit der Fähigkeit zur Innovation bestellt? Könnte es sein, dass Sie bereits im berüchtigten Hamsterrad rennen?

 

Problematische Auftragslagen, Umstrukturierungen, Fusionen: Die Realitäten in Unternehmen können den Blick verengen und Selbstwirksamkeit wie auch den Gestaltungsradius drastisch einschränken. Das ändert niemand, indem er noch einen Zahn zulegt. Meditation kann eine Alternative sein: Sie schafft Distanz, verhilft zu innerer Ruhe und Gelassenheit. Und ermöglicht so neue Zugänge zu Strategien und Handlungskompetenzen.